Festschrift 60 Jahre KZBV

15 der Krankenkassen und auch Ärzte konnten die Zahnheilkunde ausüben. Die Position der Zahnärzte gegenüber den Krankenkassen war auch dadurch geschwächt, dass mit den Dentisten ein zweiter Berufsstand heilberuflich auf dem Gebiet der Zahnheilkunde tätig war, der in Konkurrenz zu den nunmehr akademisch vorgebildeten Zahnärzten stand. Während die Ärzteschaft mit dem Berliner Abkommen von 1913 erstmals ein Kollektivvertragssystemmit den Krankenkassen durchsetzen konnte und damit die Einzelzulassung zur Versorgung sozialversicherter Patienten überwand, gelang es demWirtschaftlichen Verband deutscher Zahnärzte e. V. als zahnärztlichem Interessenverband erst 1923, eine erste übergreifende Vereinbarung zu einer Gebührenordnung und Vergütungsform, zum Schiedswesen und zur Zulassung von Kassenzahnärzten zu schließen, nachdem die Anerkennung von Zahnerkrankungen als Krankheit und Zahnfüllungen als Pflichtleistung der Krankenkassen sich durchgesetzt hatten. Vom Einzel- zum Kollektivvertrag Damit wurden erste Strukturen einer gemeinsamen Selbstverwaltung zwischen organisierter Ärzte- bzw. Zahnärzteschaft und Krankenkassen geschaffen, die dazu führten, dass am 8. Dezember 1931 durch die 4. Notverordnung der Regierung Brüning die Vertretung ärztlicher Interessen durch Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) in der Rechtsform einer Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Pflichtmitgliedschaft festgeschrieben wurde, so dass den Krankenkassen nicht mehr einzelne Kassenärzte, sondern kollektive Organisationen gegenüberstanden, denen die Verteilung der Gesamtvergütung für die ambu- lante Versorgung und die Überwachung der kassenärztlichen Tätigkeit übertragen wurde. Dieses korporatistische Modell wurde am 31. Januar 1932 auf die Zahnärzte und Dentisten durch Bildung Kassenzahnärztlicher und Kassendentistischer Vereinigungen als KdöR übertragen, so dass der kündbare privatrechtliche Einzelvertrag des einzelnen Zahnarztes mit der Krankenkasse zu Gunsten der genossenschaftlichen Regelung kraft eines der Kassenzahnärzteschaft erteilten gesetzlichen Auftrages umge- wandelt wurde. Ende rechtsstaatlich-freiheitlicher Selbstverwaltung Anders als die ursprüngliche Idee genossenschaftlicher Selbstverwaltung und eigenverantwortlicher Vertragsgestaltung wurde mit der Errichtung der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Deutschlands 1933 eine strikter Staatsaufsicht unterliegende, nach demFührerprinzipausgerichtete zentralistische Institution geschaffen. 1940 folgte die Institutionalisierung einer Kassendentistischen Vereinigung Deutschlands, so dass sich auch im NS-Regime der berufsständische Dualismus fortsetzte. Per Ermächtigung des Reichsarbeitsministers wurde eine Zulassungs- und Vergütungsordnung auf der Grundlage einer Kopfpauschalenvergütung eingeführt. Im Konfliktfall hatten die beim Reichsversicherungsamt angesiedelten staatlichen Schiedsinstanzen die Möglichkeit, Verträge festzusetzen. Wie in anderen staatlichen und gesellschaftlichen Bereichen führte die NS-Diktatur auch dazu, dass politisch oder ethnisch unerwünschte Berufsangehörige von der Kassenzulassung und später der Berufsausübung ausgeschlossen wurden. Durch das Gesetz vom 5. Juli 1934 über den Aufbau der Sozialversicherung wurde auch die Selbstverwaltung der Krankenkassen abgeschafft und diese der Aufsicht des Reichsarbeitsministers unterstellt. Konsolidierungsphase der Selbstverwaltung im sozialen Rechtsstaat der Bundesrepublik Deutschland Überwindung des berufsständischen Dualismus Auf dem zahnärztlichen Berufsstand lastete seit dem 19. Jahrhundert die Hypothek des Dualismus, der durch das

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