Festschrift 60 Jahre KZBV

17 wertung und eines dem damaligen Stand der Zahnheilkunde entsprechenden Leistungssystems. Der Bema-Z, der 1966 fortentwickelt wurde, sah eine Bewertung nach Maßgabe von Punkten in Relation zur Leistung auf der Grundlage einer Einzelleistungsvergütung vor und schuf damit die Vorausset- zungen für eine leistungs- und kostengerechte Honorierung und Abgeltung der Praxiskosten sowie eine qualitative Verbesserung der Versorgung. Phase der Leistungsausweitung Die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts waren gekennzeichnet durch eine permanente Expansion des Umfangs der kassen- zahnärztlichen Behandlungen und der Ausgaben der GKV für die zahnärztliche Versorgung infolge wiederholter Erweiterung des Leistungsspektrums durch die Rechtsprechung und Gesetzgebung. So wurde durch ein Urteil vom 20. Oktober 1972 vom Bundessozialgericht (BSG) die Kostenübernahme für Kiefer- orthopädie (Kfo) beschlossen. Dementsprechend erfolgte 1972 die Einbeziehung der Kieferorthopädie in den Bema-Z ebenso wie 1974 die systematische Behandlung von Parodontopathien. Bundessozialgericht bezieht den Zahnersatz in Kassenverträge ein Die bedeutendste Leistungsausweitung erfolgte durch das Urteil des Bundessozialgerichts vom 24. Januar 1974, das die Gesamtvertragsfähigkeit von Zahnersatzleistungen bejahte, obwohl es ihren Rechtscharakter als Zuschussleistung eigener Art auf privatvertraglicher Grundlage anerkannte. Diese Entscheidung und die daraufhin erfolgte Prothetikvereinbarung der KZBV mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen führten zur Eingliederung der Prothetikleistungen in den BMV-Z/Bema-Z und lösten in der Zahnärzteschaft heftige Kontroversen aus, die über Jahre hinweg die innerzahnärztliche Diskussion beherrschten, zumal der größte Teil der noch außervertraglich gebliebenen Prothetikleistungen, wie zum Beispiel provisorische Brücken, Versorgung mit metallkeramischem Zahnersatz oder Verbindung von festsitzendem und herausnehmbarem Zahnersatz, durch Spruch des Bundesschiedsamts vom 2. Mai 1977 in den BMV-Z/Bema-Z eingefügt wurde. Der Grund für die Kritik an dieser Entwicklung war eine unvertretbare und unbezahlbare Leistungsausweitung (sogenannter Prothetik-Boom) bei der prothetischen Versorgung mit der Gefahr des Verfalls der Einzelleistungsvergütung, da bei der Veränderung der Vergütungen die zu erwartende Entwicklung der Grundlohnsumme der Krankenkassen, also die jeweilige Finanzsituation, zugrunde gelegt wurde. Dement- sprechend wurde später der Bema-Z mehrfachumstrukturiert, wobei die Vergütungen für kieferorthopädische und prothe- tische Leistungen zum Teil durch gesetzliche Interventionen reduziert wurden. Die Kostendämpfungs-Gesetzgebung Die Leistungsausweitungen und der dadurch ausgelöste Kostenboom in der GKV führten in den Folgejahren zu einer Sequenz von Kostendämpfungs-Gesetzen, die darauf abzielten, die Kostenentwicklung mit Mitteln der Globalsteuerung einzudämmen: Krankenversicherungsweiterentwicklungs-Gesetz (KVWG) vom 28. Dezember 1976: Verpflichtung der KZVen, im Einvernehmen mit den Krankenkassen Bedarfspläne zu erstellen, Koppelung der Ersatzkassen-Beteiligung an die RVO-Zulassung, Einführung einer kassenzahnärztlichen Fortbildungspflicht. Krankenversicherungs-Kostendämpfungs-Gesetz (KVKG) vom 27. Juni 1977: Zentralisierung der Vertragskompetenzen, Grundlohnentwicklung als dominantes Vergütungskriterium, Plafondierung der Gesamtvergütungen als mögliche Form der Ausgabenbegrenzung, Einrichtung einer Konzertierten Aktion im Gesundheitswesenunter Beteiligung aller Leistungs- und Versicherungsträger im Gesundheitswesen als korporatistisches Steuerungsgremium, das unter anderem Empfehlungen für die Margen der Gesamtvergütung geben sollte, Bildung von schieds- amtsähnlichen Bewertungsausschüssen zur Institutionalisierung einheitlicher Bewertungsmaßstäbe, paritätische Besetzung der Prüfungsausschüsse, Festsetzung der Zahnersatz-Zuschüsse auf 80 Prozent der Kosten, entsprechende Selbstbeteiligung in der Kieferorthopädie mit der Koppelung an Belohnungsanreize bei Behandlungsabschluss, Vergütungen für zahntechnische Leistungen als Gegenstand der Verträge über die kassenzahnärztliche Versorgung, wobei für die zahntechnischen Leistungen der Zahntechniker Vereinbarungen der Innungsverbände mit den Krankenkassen eingeführt wurden.

RkJQdWJsaXNoZXIy ODIwMTM=