Festschrift 60 Jahre KZBV

32 Wer entscheidet nach welchen Prinzipien, was demMenschen zusteht? Gab es da in den vergangenen Jahren auch Verständigungsprobleme? Die Grundversorgung entwickelt sich natürlich auch mit den Ansprüchen der Gesellschaft weiter. Hier gilt es, immer einen Ausgleich zwischen Solidarität und Subsidiarität zu finden. Heute sind die Menschen zunehmend auch an einer ästhetisch ansprechenden Versorgung interessiert. Gleichzeitig hat die Zahnärzteschaft mit großem Erfolg eine Prophylaxe-Strategie verwirklicht, die sich im Jahr 2004 in der Umrelation des Leistungskatalogs zu Gunsten der Prävention im Versorgungsgeschehen niedergeschlagen hat. Über die Frage, was zur Regelleistung zählt, haben wir früher im Bundesausschuss für Zahnärzte und Krankenkassen verhandelt. Heute wird Mundgesundheit neben allen anderen Themen zur Patientenversorgung im Gemeinsamen Bundesausschuss entschieden. Ein gewisses Verständigungsproblem ist da systemimmanent: Was wollen die Patientenvertreter, was können die Zahnärzte leisten, wie sehen das die Krankenkassen als Kostenträger? Reibungspunkte gibt es immer dann, wenn Grundversorgung ausgeweitet und zu Einheitspreisen definiert werden soll. Wir haben dazu viele sehr harte Verhandlungen geführt – aber am Ende immer vernünftige Ergebnisse erzielt. Diese grundsätzlich positive Verhandlungs- und Gesprächskultur sollte möglichst auch in Zukunft erhalten bleiben. Welche Rolle spielt die KZBV bei dem Interessenausgleich zwischen Gesundheit, Sicherstellung der Grundversorgung und Wirtschaftlichkeit? Als Körperschaft des öffentlichen Rechts ist es unsere Aufgabe, die zahnmedizinische Versorgung mitzugestalten und die Versorgung sicherzustellen. Im Interessenausgleich zwischen Gesundheit, Sicherstellung der Grundversorgung und Wirtschaftlichkeit sieht sich die KZBV als Experte mit Augenmaß. Wir definieren Versorgungsstandards, die wirtschaftlich tragfähig sind, die weder das Solidarsystem noch den einzelnen Patienten überfordern dürfen. Und gerade für den Anteil, der von der Solidargemeinschaft getragen wird, müssen wir sachgerechte Voraussetzungen schaffen, die zukunftsfest sind. Das ist unsere Aufgabe, der wir uns widmen müssen. Wir haben beispielsweise aus gutem Grund frühzeitig die finanzielle Eigenbeteiligung in den Vordergrund gerückt, denn die Zahnheilkunde hat besondere Rahmenbedingungen. Für unterschiedliche zahnärztliche Befunde gibt es unterschiedliche medizinisch anerkannte Lösungsansätze und für ein und denselben Befund verschiedene Versorgungsmöglichkeiten. Beispiel Zahnfüllungen: Mit einer einfachen metallischen Füllung kann man ebenso gut kauen wie mit einer kosmetisch höherwertigen Keramikfüllung. Der Unterschied in den Kosten ist jedoch erheblich, medizinisch ist beides gut vertretbar. Wenn ein Patient eine kostenintensivere Versorgung wählt, die über das medizinisch notwendige Maß hinausgeht, dann greift die finanzielle Eigenbeteiligung. So ist auch die Rolle der Patienten neu definiert? Die Ära des Halbgottes in Weiß ist zum Glück vorbei. Was sind erreichbare Ziele? Welche Versorgung ist im Einzelfall angebracht? Das ist ein Dialog, der mit den Patienten geführt werden muss und heutzutage auch immer mehr geführt wird. Und wenn solche Gespräche vernünftig angegangen werden, dann lässt sich ein sehr gutes Arzt-Patienten-Verhältnis erreichen und dann macht die Arbeit mit den Patienten auch Spaß. Worin sehen Sie die großen Herausforderungen bei der Gestaltung der Zahngesundheit in Deutschland? In Zukunft erstreckt sich unser Gestaltungsauftrag auf unterschiedliche Bereiche.

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