Festschrift 60 Jahre KZBV

33 Bei der Grundversorgung etwa muss der demografische Wandel berücksichtigt werden – mit allen Fragen, die dazuge- hören. Dazu zählt sicher auch die Bezahlbarkeit von innovativen Verfahren und neuen Therapiemöglichkeiten durch die Solidargemeinschaft. Gleichzeitig darf aber der einzelne Patient in seinen finanziellen Möglichkeiten nicht überfordert werden. Die großen Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft sind also eine bedarfsadäquate Versorgung und die Gewährleistung des Zahnerhalts möglichst bis ins hohe Alter. Wir haben in der Zahngesundheit in Deutschland ein Versorgungsniveau erreicht, das international beispielhaft ist. Es ist eine der großen Aufgaben, diesen Status auch weiterhin zu sichern. Wir dürfen uns auf dem Erreichten nicht ausruhen: Jetzt geht es insbesondere um die zahnmedizinische Versor- gung von Risikogruppen. Alte und mobil eingeschränkte Menschen brauchen unsere Unterstützung. Und was neuerdings wieder stärker in den Fokus rückt, ist die Versorgung von Kleinkindern. Frühkindliche Karies ist leider wieder auf dem Vormarsch. Wir haben Konzepte entwickelt, um dieser Herausforderung angemessen zu begegnen. Was wir jetzt brauchen, ist die politische Unterstützung bei der weiteren Umsetzung dieser zahnärztlichen Versorgungslösungen. Des Weiteren ist es wichtig, dass wir die Behandlung von Parodontalerkrankungen weiter voranbringen. Die Menschen nehmen diese Erkrankung noch immer nicht ernst genug. Parodontitis ist jedoch eine chronische Krankheit, die permanent behandelt werden muss. Dazu muss auch der Gemeinsame Bundesausschuss einen Ansatz und eine Antwort finden. Daran schließt die Aufgabe an, unseren Berufsstand für junge Zahnärzte attraktiv auszugestalten, damit sich junge Menschen auch weiterhin mit Enthusiasmus und Engagement für das Wohl ihrer Patienten einsetzen können, unbelastet von überbordender Bürokratie und wirtschaftlichen Zwängen. Die Zukunft der Zahnheilkunde – das ist meine feste Überzeugung – liegt in der stärkeren Vernetzung der Zahnheilkunde mit anderen medizinischen Disziplinen. Wir müssen eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen in den Blick nehmen. Es ist eine der Aufgaben des Zahnarztes, nicht nur die Zähne und die Mundhöhle zu betrachten, sondern den Patienten in seiner Gesamtheit. Und auf der anderen Seite ist es eine Aufgabe des Mediziners, nicht nur einzelne Organe, sondern auch hier das Zusammenwirken mit der Zahnheilkunde zu erkennen, um den Menschen angemessen behandeln zu können.

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