Festschrift 60 Jahre KZBV

39 Was möchten Sie der Eigenverantwortung von Zahnärzten und Patienten aus heutiger Sicht anvertrauen, um auch künftig noch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit gewährleisten zu können? Die Eigenverantwortung ist im Grunde ein Erfolgsmodell geworden. Und ich glaube, es ist die große Leistung der Zahn- ärzteschaft, aber auch der KZBV und der KZVen, im Zusammenspiel mit der Politik ein Modell gefunden zu haben, das die Teil- habe am wissenschaftlichen Fortschritt sichert, das aber auch mit der finanziellen Eigenbeteiligung, die oftmals eine Eigenbelastung ist, einhergehen kann. Und das Ganze in einem Konzept, das durch Härtefallregelungen sozialverträglich abgesichert und ausgestaltet ist. Zukünftig wird das Thema Qualität immer wichtiger. Die KZBV setzt sich seit vielen Jahren – nicht erst seit der Gründung des Instituts für Qualitätssicherung und Trans- parenz im Gesundheitswesen – für eine vorbildliche Qualität in der Zahnheilkunde ein. Jedoch sehen wir den politischen Willen, Qualität als Ergebnisqualität – Stichwort pay for performance– kritisch, wenn Qualität also einzig als Steuerungselement genutzt werden soll. Es muss uns auch um die Qualität von Prozessen und Strukturen gehen, um eine gute Versorgung zu sichern. Wir fordern eine ganzheitliche Denkweise: Neue Schwerpunkte bei frühkindlicher Prophylaxe, klare Verantwortung bei der Versorgung von alten und mobil eingeschränkten Menschen. Ebenso wie die Förderung der Versorgungsqualität in ländlichen Struk- turen. Diese Aufgaben zählen für die KZBV ebenso zur Debatte um Qualität und erfordern alternative Konzepte. Was ist Ihr Wunsch für die nächsten 60 Jahre KZBV? Größtmögliches Vertrauen zwischen Zahnarzt und Patient ist die wichtigste Voraussetzung für Erfolg. In den vergangenen Jahren ist leider – auch mit medialer Unterstützung – ein Klima des Misstrauens gegenüber den Heilberufen gewachsen, ja mitunter bewusst geschürt worden. Wir müssen dieses Vertrauen wieder so herstellen, dass wir im Interesse um ein qualitativ hochwertiges Gesundheitswesen erfolgreich und gesund leben können. Beide Beteiligten – Zahnarzt und Patient – müssen vertrauensvoll und (eigen)verantwortlich miteinander umgehen. Und unsere große Herausforderung – die chronische Parodontitis – kann dann frühzeitiger erkannt oder sogar gänzlich vermieden werden. Ich würde mich freuen, wenn wir mehr direkt in der Patientenversorgung und damit direkt mit dem Patienten arbeiten könnten und weniger mit Regulierung und Reglementierung zu kämpfen hätten.

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