Festschrift 60 Jahre KZBV

43 Wie hat die KZBV die politischen Rahmenbedingungen konkret gestaltet? Die politische Gestaltungsmöglichkeit der KZBV konzentrierte sich in den ersten 30 Jahren vor allem auf Honorarpolitik und Vertragsgestaltung. Da ging es noch gar nicht so sehr um versorgungspolitische Themen. Die Aufbauphase thematisierte Grundlegendes wie Organisation und Strukturen der Selbstverwaltung: Wie organisieren wir das Gesamtgefüge der zahnärzt- lichen Versorgung in Deutschland? Heute sind wir vielmehr Gestalter von Gesundheitskonzepten und bringen unsere Expertise ein. Aktuell, da Gesundheitspolitik wesentlich von ökonomischen Aspekten geprägt wird, setzen wir uns dafür ein, die Qualität einer guten Versorgung zu sichern und zu fördern. Vor allem, da es für begrenztes Geld natürlich auch nur begrenzte Leistung geben kann. Was sind die Instrumente der KZBV bei der politischen Gestaltung? Zugegeben: Über viele Jahre zeigte sich die Gesprächskultur zwischen Politik und KZBV eher verhärtet. Als Interessenvertreter der Vertragszahnärzte waren wir konfrontiert mit einer Politik, die knallharte Kostendämpfung als das einzige Allheilmittel kannte und gezielt das Zerrbild vom Zahnarzt als Goldesel verbreitete. In der Zahnärzteschaft machte sich daher völlig zu Recht ein Gefühl der Willkür breit: mit der Verhärtung von Fronten, Eskalation und Barrikadenbau. Es gab damals auf beiden Seiten eine Verhandlungskultur, die von gegenseitigen Schuld- zuweisungen geprägt war und sich ständig mit jeweiligen Forderungen an die Gegenseite weiter auflud. Als KZBV haben wir aus den zurückliegenden Konfrontationen gelernt. Heute sind wir vielmehr Gestalter von Gesundheitskonzepten und bringen unsere Expertise ein. Wir bieten uns als Gesprächspartner und Ratgeber an. Wir gestalten Lösungsansätze in Versorgungs-, Gesundheits- und Strukturfragen, vernetzen uns sehr stark in der Gremienarbeit der Selbstverwaltung und versuchen Ansätze zu finden, die für alle Beteiligten und Betroffenen hilfreich sind, die für alle eine Situation schaffen, von der sie gleichermaßen profitieren. Verlässlichkeit und Transparenz sind unsere wichtigste Währung für unsere gute Reputation – für die Anerkennung unserer Gestaltungsansätze. Die Kommunikationsbereitschaft aller Beteiligten steigt durch gegenseitige Hilfestellung. Wie sehen Sie die Rolle der KZBV in der Gesundheitspolitik? Wir sind als Körperschaft des öffentlichen Rechts und gleich- zeitig als Interessenvertreter der Zahnärzteschaft ein Player mit Gewicht im Gesundheitswesen. Wir tragen hier nicht nur eine hohe Verantwortung, sondern verstehen uns immer als Gestalter, nicht als Verwalter. Unsere Beteiligung im Gemein- samen Bundesausschuss verpflichtet uns zu einer aktiven und lösungsorientierten Mitwirkung an den Entscheidungsprozessen der Selbstverwaltung. Meiner Erfahrung nach sind Agieren und Gestalten auch immer wesentlich kraftvoller als Reagieren. Die Geschichte zeigt, dass Politik kein Gedächtnis hat. Es gibt kein wirklich langfristiges und strategisches Denken in der Politik. Wir leben in Zeiten des schnellen Wandels. Was gestern politischer Konsens war, wird schon morgen nicht mehr gelebt. Damit ist die Basis für eine kontinuierliche Gesundheitspolitik im Grundsatz in Frage gestellt. Es gibt niemanden, der eine echte Perspektive beschreibt. Und ebendiese Perspektive, so meine ich, müssen die Selbstverwaltungskörperschaften gemeinsam entwickeln und zu einem Gesamtkonzept verdichten. Darin liegt die besondere Aufgabe und der eigentliche Mehrwert eines selbstverwalteten Gesundheitswesens.

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