Festschrift 60 Jahre KZBV

44 Um in diesem Prozess mitzuwirken, denken wir als KZBV antizipativ: Was könnte in den politischen Fokus geraten, wie setzen wir die Anliegen der Patienten und der Zahnärzte auf die politische Agenda? Für die KZBV ist dieses Wirkprinzip heute Aufgabe, Chance und Verpflichtung zugleich. Seit dem Jahr 2005 sind die Vorstände der KZBV hauptamtlich institutionalisiert. Wie war das vorher? War die Aufgabe ehrenamtlich nicht mehr zu leisten? Die Selbstverwaltung der KZBV ist ehrenamtlich gewachsen und hat mehr als 50 Jahre hervorragend funktioniert. Es bestand und besteht bei uns Konsens darüber, dass die Repräsentanten unseres Berufsstandes aus der Praxis kommen und die Praxis verstehen sollen. Die Hauptamtlichkeit, die im Jahr 2005 dann von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt eingeführt wurde, ist ein politisch gewolltes Kuckucksei mit dem Ziel, das Hauptamt von der Basis abzukoppeln. Wir KZBV-Vorstände sind uns einig, dass wir den Job genauso gut auch als Ehrenamtliche machen würden. Denn unsere Professionalität ist keine Frage des Beschäftigungsverhältnisses. Aber durch entsprechende Rahmenbedingungen und die Konzentration auf die Funktion eines quasi hauptberuflichen Managers wird das Zusammenspiel in einer Institution verändert. Die direkte Verantwortung und das ständige Funktionierenmüssen wirken sich auf alle Beteiligten aus. Was sind die markanten Entscheidungen, die die KZBV begleitet und herbeigeführt hat? Die KZBV hat in der Zeit seit ihrer Gründung eine ganze Reihe wichtiger Akzente gesetzt. Dazu zählt zum Beispiel die Abschaffung der Budgetierung, mit der uns die Wiederherstellung der Honorargerechtigkeit gelungen ist. Wir konnten nach Jahren das Joch der gedeckelten Ausgaben endlich abschütteln und eine bedarfsorientierte Vergütung realisieren. Insgesamt – mit Blick auf die vergangenen 60 Jahre – dürfen wir sicherlich auch sagen, dass die präventionsorientierte Versorgung in der Zahnmedizin maßgeblich auch auf den Einfluss der KZBV und der KZVen zu- rückgeht. Ebenso wie das System der Festzuschüsse und aktuell die Gewährleistung der Teilhabe ammedizinischen Fortschritt für Risikogruppen. In allen Punkten haben KZBV und KZVen entscheidende Impulse für die Gesundheitspolitik gesetzt und das Bild der modernen präventionsorientierten Zahnmedizin von heute mitgeprägt. Wie lauten Ihre perspektivischen Grundforderungen für die Zukunft? Wir müssen uns fragen: Was ist das Ziel von Gesundheitsver- sorgung in 5, 10, 15 und in 20 Jahren? Was wollen wir erreichen? Unser Ziel als Zahnärzteschaft ist es, die Mundgesundheit der Bevölkerung immer weiter zu verbessern. Darauf müssen die Strukturen im Gesundheitssystem ausgerichtet sein. Wichtig für alle Akteure in diesem System ist es, für die gesamte Bevölkerung unter Berücksichtigung von Aspekten wie Fortschritt und demografischemWandel eine sozial gerechte, berechenbare und finanzierbare Gesundheitsversorgung zu gestalten. Alle Instrumente, die wir heute zur Anwendung bringen, gilt es zu hinterfragen, ob sie geeignet sind, diese Zielvorgabe zu erreichen. Politik hat bereits seit einigen Jahren sehr stark auf das Prinzip des Wettbewerbs gesetzt. Wir müssen uns durchaus auch selbstkritisch die Frage stellen, was der Wettbewerb denn dem Gesundheitswesen genutzt hat. Was hat er bei der Versorgung der Menschen bewirkt? Unser Ansatz von Wettbewerb, zu dem wir uns mit Überzeugung bekennen, ist der Wettbewerb um

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