Festschrift 60 Jahre KZBV

45 die qualitativ beste Versorgung und nicht – wie heute vielfach vorherrschend – der Wettbewerb um den niedrigsten Preis der Leistung. Ein solcher Wettbewerb führt zu einer schleichenden Fehlsteuerung im System. Wir müssen daher in der Politik ein Umdenken bewirken: Die Freiberuflichkeit als eigener Wert muss wieder mehr gefördert, gestärkt und akzentuiert werden. Auch für den Zahnarzt muss gelten, dass ihmmit der unternehmerischen Freiheit wieder mehr Chancen eröffnet werden und ihm nicht nur immer neue Lasten aufgebürdet werden. Die real existierenden Rahmenbedingungen für einen Zahnarzt haben mit dem Bild des freiberuflichen Unternehmers nicht mehr viel zu tun. Wir müssen daher dafür kämpfen, dass die Zentralisierungsbestrebungen der Politik aufgegeben werden, dass der Selbstverwaltung wieder Vorfahrt eingeräumt wird, dass die Heilberufe wieder die Anerkennung in der Gesellschaft bekommen, die ihnen zusteht. Deswegen setzen wir uns als KZBV für die konsequente Stärkung der Freiberuflichkeit ein und wehren uns gegen die zunehmende Kommerzialisierung des Heilwesens. Wir müssen aber auch die Rahmenbedingungen so gestalten, dass die jungen Menschen künftig noch Lust haben, den Beruf des Zahnarztes in eigener Praxis zu ergreifen und die direkte Zahnarzt-Patienten-Beziehung zu suchen. Und dazu müssen wir verlässliche wirtschaftliche Voraussetzungen schaffen. Wir müssen insgesamt sehen, dass wir diese sogenannteGeneration Y in ihrem anderen Verständnis von Work-Life-Balance motivieren, diese wichtige Aufgabe in der Gesellschaft in Zukunft mit Freude wahrzu- nehmen. Sonst kann das Prinzip einer flächendeckenden und wohnortnahen Versorgung dauerhaft nicht sichergestellt werden. Ich bin davon überzeugt, dass wir viel erreichen können, wenn wir die genannten Aspekte mit der nötigen Konsequenz angehen. Die Fokussierung auf diese veränderte Zielsetzung ist nicht nur ein ganz persönlicher Wunsch von mir, sondern auch ein ganz wesentliches Kriterium für eine gute und funktions- fähige Gesundheitsversorgung in den kommenden 60 Jahren. Auch die Solidarität und die Eigenverantwortung als Grundsätze unseres Gesundheitssystems sollten wieder stärker in den Blick genommen werden. Der zahnärztliche Berufsstand hat vorbildlich gezeigt, dass das Solidarprinzip der Sozialkassen und ein faires Maß an Eigenverantwortung der Patienten kein Widerspruch sind. Unsere weiteren Forderungen sind daher nur konsequent: Unser Ziel ist es, das vertrauensvolle Zusammenwirken von Zahnarzt und Patient wieder mehr zu fördern. In diesem Sinne müssen wir die Zentralisierung des Gesundheitswesens zu Gunsten einer Regionalisierung korrigieren und den Einfluss des Staates insgesamt zurückdrängen, um der Selbstverwaltung wieder mehr Gestaltungsspielräume zu eröffnen. Wer vommündigen Bürger spricht, der muss ihm auch seine Mündigkeit lassen: Das bedeutet, die freie Zahnarztwahl und eine freie Wahl der Versicherung zu gewährleisten. Eine partizipative Entscheidungsfindung unter Einbeziehung der Patienten sowie eine eingehende Patientenberatung halte ich in diesem Zusammenhang für unverzichtbar. Unser gesund- heitspolitisches Ziel bleibt es zudem, die Teilhabe ammedizinischen Fortschritt und an der medizinischen Versorgung für alle sicherzustellen. Nicht zuletzt setzen wir uns dafür ein, die Finanzierung des Gesundheitswesens »nach Kassenlage« zu beenden, um eine gerechte, plan- und finanzierbare Zukunft für Patienten, Zahnärzte und für die Solidargemeinschaft in Deutschland zu gestalten.

RkJQdWJsaXNoZXIy ODIwMTM=