Geschäftsbericht 2020/2021

12 ie KZBV hat den Anspruch, den digitalen Transformationsprozess im Gesundheitswesen weiter aktiv mitzugestalten. Die Digitalisierung bietet vielfältige Chancen, die Versorgung der Menschen weiter zu verbessern, sichere Kommunikationswege zu schaffen und Bürokratieaufwand zu verringern. Gerade durch die CoronaPandemie hat das Thema einen deutlichen Schub bekommen. Die Krise hat sich in gewisser Weise als „Digitalisierungs- beschleuniger“ erwiesen und aufgezeigt, wo digitale Lösungen einen konkreten Mehrwert in der Versorgung bieten können. Um den digitalen Transformationsprozess zu einer Erfolgsgeschichte zu machen, müssen digitale und technische Innovationen für die Zahnärztinnen und Zahnärzte zeitlich, wirtschaftlich und organisatorisch umsetzbar sein und für die Versorgung der Patientinnen und Patienten einen erkennbaren Mehrwert entfalten. Mit diesem Anspruch bringt die KZBV ihre Expertise fortlaufend in den politischen Diskussionsprozess ein, etwa als Mitglied der E-Health-Initiative des BMG und auch im Rahmen der vielen Gesetzgebungsverfahren dieser Legislaturperiode. Das gilt auch für das überwiegend im Juni 2021 in Kraft getretene Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs– Gesetz (DVPMG). Das DVPMG ist nach dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) und dem Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG) das dritte große Digitalisierungsgesetz, das unter Bundesminister Spahn auf den Weg gebracht wurde. Hieran anknüpfend legt das DVPMG insbesondere die Grundlage für eine weitgehende Anbindung der Pflege an die Telematikinfrastruktur (TI) und soll für eine Weiterentwicklung von elektronischer Patientenakte (ePA) sowie E-Rezept und E-Medikationsplan sorgen. Unter anderem werden die Krankenkassen verpflichtet, ein sicheres Verfahren zur Authentifizierung der E-Rezept-App der gematik zu entwickeln. Damit wird Patienten ermöglicht, das E-Rezept direkt in der App zu verwalten. Zudem wird der bisherige Anspruch der Versicherten auf einen Medikationsplan von einer papiergebundenen in eine elektronische Form erweitert. Aus Sicht der Vertragszahnärzteschaft positiv hervorzuheben ist die vom Gesetzgeber übernommene Datenschutzfolgenabschätzung nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) für die Verarbeitung personenbezogener Daten mittels der TI und in diesem Zusammenhang insbesondere die Klarstellung im SGB V, wonach die verantwortlichen Leistungserbringer von der Bestellung eines Datenschutzbeauftragten Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) befreit sind. Dass mit dem DVPMG nun auch zahnmedizinische Labore an die TI angebunden werden, ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Allerdings wurden mit dem DVPMG auch konkrete Möglichkeiten zur Versorgungsverbesserung versäumt. Zwar ist die mit dem DVPMG vorgesehene Ausweitung telemedizinischer Leistungen grundsätzlich zu begrüßen. Die mit dem Gesetz geschaffenen Rahmenbedingungen fokus- sieren jedoch primär den vertragsärztlichen Bereich. Demgegenüber bleibt die Möglichkeit zur Videosprechstunde im vertragszahnärztlichen Bereich auf die Versorgung von vulnerablen Gruppen beschränkt. Erhebliches Potenzial für die Versorgung bleibt damit ungenutzt. Denkbar sind beispielsweise Videosprechstunden bei der Besprechung von Heil- und Kostenplänen im Rahmen der Zahnersatz-Versorgung, bei der Beratung im Zusammenhang mit kieferorthopädischen Behandlungen von Kindern und Jugendlichen und ihren Eltern oder bei der Aufklärung im Zusammenhang mit der Parodontitistherapie. Um die Chancen der Telemedizin zu nutzen, sollte die Möglichkeit der zahnärztlichen Videosprechstunde auf alle Patientinnen und Patienten ausgeweitet werden. Dafür wird sich die KZBV auch in der neuen Legislaturperiode weiter einsetzen. ■ DVPMG: DRITTES DIGITALISIERUNGSGESETZ DER 19. LEGISLATURPERIODE rivate-Equity-Gesellschaften und andere große Finanzinvestoren dringen weiterhin in die vertragszahnärztliche Versorgung vor. Sie stellen mit ihrem Fokus auf schnelle Gewinnmaximierung eine erhebliche Gefahr für die Versorgungsqualität, das Patientenwohl und die Sicherstellung der Versorgung insgesamt dar. Der Einstieg solcher Investoren erfolgt über den Umweg, ein – häufig besonders kleines oder in finanzielle Schieflage geratenes – Krankenhaus zu erwerben und damit die gesetzliche Gründungsbefugnis fur Medizinische Versorgungszentren (MVZ) zu erlangen. Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) setzte im Jahr 2019 mit der gestaffelten MVZ-Gründungsbefugnis für Krankenhäuser einen ersten Schritt in die richtige Richtung, konnte aber die Ausbreitung von iMVZ, entgegen der erklärten Zielsetzung des Gesetzgebers, nicht nennenswert eindämmen. Die Entwicklung ist nach wie vor sehr dynamisch. Der Wachstumstrend bewegt sich seit Jahren auf hohem Niveau. Zum Ende des ersten Quartals 2021 belief sich der Anteil dieser investorengetragenen MVZ (iMVZ) an allen zahnärztlichen MVZ bereits auf rund 22 Prozent. Dass die Auswirkungen der zunehmenden Ausbreitung und Konzentration von iMVZ in der vertragszahnärztlichen Versorgung in höchstem Maße besorgniserregend sind, belegt ein von der KZBV beauftragtes und im Herbst 2020 veröffentlichtes Gutachten des IGES-Institutes: GUTACHTEN IM AUFTRAG DER KZBV BELEGEN GEFAHREN VON iMVZ FÜR PATIENTENVERSORGUNG Für mehr Informationen unter www.kzbv.de/dvpmg scannen Sie bitte den QR-Code mit Ihrem Smartphone. Für mehr Informationen unter www.kzbv.de/z-mvz scannen Sie bitte den QR-Code mit Ihrem Smartphone. P

RkJQdWJsaXNoZXIy ODIwMTM=