Geschäftsbericht 2020/2021

IGES 1 | Gesundheit | Mobilität | Bildung | IGES Institut. Ein Unternehmen der IGES Gruppe. Investorenbetriebene MVZ in der vertragszahnärztlichen Versorgung Entwicklung und Auswirkungen Medizinische Versorgungszentren in der vertragszahnärztlichen Versorgung Zur Einführung eines MVZ-Registers sowie zur Eignung insbesondere von investorenbetriebenen zahnärztlichen medizinischen Versorgungszentren Rechtsgutachten erstattet im Auftrag der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung von Universitätsprofessor Dr. iur. habil. Helge Sodan Inhaber des Lehrstuhls für Staats- und Verwaltungsrecht, Öffentliches Wirtschaftsrecht und Sozialrecht an der Freien Universität Berlin Direktor des Deutschen Instituts für Gesundheitsrecht Präsident des Verfassungsgerichtshofes des Landes Berlin a. D. Berlin, im Oktober 2020 13 Zu diesen Versorgungsrisiken durch iMVZ kommt erschwerend hinzu, dass die hinter den einzelnen iMVZ stehenden Eigentümer- und Beteiligungsstrukturen häufig sehr verschachtelt sind, was durch die bestehenden Register – wie zum Beispiel Handels-, Partnerschafts- oder Transparenzregister – nicht oder nur in Ansätzen abgebildet wird. Die fehlende Transparenz erschwert die Kontrollfunktion, die den Kassenzahnärztlichen Vereinigungen in Bezug auf die Sicherstellung der zahnärztlichen Versorgung zukommt. Auch den meisten Patienten in iMVZ dürfte die Information, dass ein Finanzinvestor hinter „ihrer“ Zahnärztin oder „ihrem“ Zahnarzt steckt, nicht bekannt sein. Um die nachweislichen Gefahren von iMVZ für die Patientenversorgung einzudämmen und die Transparenz über MVZ zu stärken, hat die KZBV auf Grundlage eines von ihr beauftragten Rechtsgutachtens von Prof. Helge Sodan, Freie Universität Berlin, und unter Berücksichtigung eines weiteren, im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstellten und Ende 2020 veröffentlichten Gutachtens konkrete Regelungsvorschläge in den politischen Diskurs eingebracht. Neben der Weiterentwicklung der mit dem TSVG eingeführten, spezifisch auf zahnärztliche iMVZ ausgerichteten Vorgaben, sollten aus Sicht der KZBV künftig MVZ-Register auf Bundes- und Landesebene eingerichtet werden. Ziel dieser Register sollte es sein, ausreichende Transparenz über die Inhaber- und Beteiligungsstrukturen, insbesondere von iMVZ zu schaffen und die Prüfung von deren Eignung zur Teilnahme an der Versorgung durch den zahnärztlichen Zulassungsausschuss zu ermöglichen. Zahnärztliche MVZ sollten darüber hinaus gesetzlich verpflichtet werden, in geeigneter Weise auf ihrem Praxisschild und auf ihrer Homepage Angaben über ihren Träger und die gesellschaftsrechtlichen Inhaberstrukturen zu machen. ■ ■ Kaum iMVZ im ländlichen Raum iMVZ siedeln sich vornehmlich in Großstädten und Ballungsräumen mit über- durchschnittlichen Einkommen an, die häufig bereits einen hohen zahnärztlichen Versorgungsgrad aufweisen. Zur Versorgung in strukturschwachen, zumeist länd- lichen Gebieten leisten iMVZ keinen nennenswerten Beitrag. (Vergl. Grafik unten) ■ Tendenz zu Über- und Fehlversorgung Die Analyse von Abrechnungsdaten zeigt eine Tendenz zu Über- und Fehlver- sorgungen in iMVZ gegenüber den bewährten Praxisformen. ■ Geringer Beitrag zur Versorgung besonderer Patientengruppen An der Versorgung von Pflegebedürftigen undMenschenmit Behinderung imRahmen der aufsuchenden Versorgung und von Kindern und Jugendlichen mit präventiven Leistungen der Individualprophylaxe nehmen iMVZ kaum teil. (Vergl. Grafik unten) ■ Gefahr von iMVZ-Kettenstrukturen Durch größere Kettenbildungen steigt die Gefahr von regionalen Versorgungs- lücken im Fall von Insolvenzen mit erheblichen Folgen für Patientinnen und Patienten, wie es auch Negativerfahrungen im europäischen Ausland belegen. Der Pflegebedarf entspricht der Anzahl der pflegebedürftigen Personen je 10.000 Einwohner. Stand: 31.12.2017 Quelle: IGES basierend auf Daten und Versorgungsstrukturstatistik der KZBV, des INKAR Online-Atlas und Bevölkerungsstanddaten des Statistischen Bundesamtes IGES 48 3.2.2.1 Kreistyp Eine weitestgehend zur Einwohnerverteilung proportionale Verteilung aller Zahnarztstellen über die Kr istypen wurde bereits festgestellt (vgl. Abschnitt 3.2.1.1). Da sich die meisten Zahnarztstellen in Einzelpraxen und BAG befinden, wird die Verteilung aller Zahnarztstellen über die Kreistypen vor allem durch die Verteilungen von Einzelpraxen und BAG geprägt. Daher ist dann auch die Verteilung von Zahnarztstellen in Einzelpraxen und BAG über die Kreistypen weitgehend proportional zur Einwohnerverteilung (Abbildung 16). Abbildung 16: Verteilung der Einwohner und Zahnarztstellen nach Kreistyp und Praxisform (2019) Quelle: IGES basierend auf Daten der Versorgungsstrukturstatistik der KZBV, des INKAR Online-Atlas und Bevölkerungs tanddaten des statistischen Bundesamtes Abweichungen zeigen sich hingegen bei den Zahnarztstellen in MVZ, die zu über der Hälfte in kreisfreien Großstädten zu finden sind. Noch größer fallen die Abweichungen zwischen der Verteilung der Zahnarztstellen in i-MVZ und der Einwohnerverteilung aus: 67 Prozent der Zahnarztstellen der i-MVZ sind in 35% 33% 54% 67% 29% 35% 38% 28% 20% 39% 16% 15% 9% 7% 17% 14% 14% 8% 7% 15% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% EP (N=43.618) BAG (N=19.507) MVZ (N=2.720) i-MVZ (N=593) Einwohner (N=83 Mio.) Anteil der Einwohner bzw. Zahnarztstellen kreisfreie Großstädte (Kreistyp 1) städtische Kreise (Kreistyp 2) ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen (Kreistyp 3) dünn besiedelte ländliche Kreise (Kreistyp 4) IGES 51 3.2.2.4 Pflegebedarf In engem Zusammenhang zum Anteil der Einwohner im Alter von 65 Jahren oder älter steht der Anteil der Einwohner mit Pflegebedarf, wobei letzterer schwerpunktmäßig die Teilgruppe der 80-Jährigen oder Älteren betrifft. So verwundert es nicht, dass die i-MVZ auch zu einem überproportional hohen Anteil Zahnarztstellen in Planungsbereichen vorhalten, deren Bevölkerung einen b sonders geri gen Pflegebed rf aufw ist (weniger als 345 Pfleg bedürftige je 10.000 Einwohner) (Abbildung 19). Im Jahr 2019 liegt dieser Anteil bei 49 Prozent, während nur 7 Prozent der i-MVZ-Zahnärzte in Planungsbereichen tätig sind, deren Bevölkerung einen Pflegebedarf von 474 Pflegebedürftigen je 10.000 Einwohner oder mehr aufwies. In beiden Gruppen von Planungsbereichen leben jeweils ein Viertel der Bevölkerung. Abbildung 19: Verteilung der Einwohner und Zahnarztstellen nach Pflegebedarf und Praxisform (2019) Quelle: IGES basierend auf Daten der Versorgungsstrukturstatistik der KZBV, des INKAR Online-Atlas und Bevölkerungssta ddaten des statistischen Bundesamtes Anmerkungen: Der Pflegebedarf entspricht der Anzahl der pflegebedürftigen Personen je 10.000 Einwohner. Stand Pflegebedarf: 31.12.2017 27% 26% 29% 49% 25% 26% 26% 38% 33% 25% 23% 25% 18% 12% 25% 24% 22% 15% 7% 25% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% EP (N=43.618) BAG (N=19.507) MVZ (N=2.720) i-MVZ (N=593) Einwohner (N=83 Mio.) Anteil der Einwohner bzw. Zahnarztstellen Planungsbereiche mit Pflegebedarf <345 Planungsbereiche mit Pflegebedarf 345-400 Planungsbereiche mit Pflegebedarf 400-474 Planungsbereiche mit Pflegebedarf >=474 Verteilung Einwohner und Zahnarztstellen n ch Kreistyp und Praxisform 2019 Verteilung Einwohner und Zahnarztstellen nach Pflegebedarf und Praxisform 2019

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