Geschäftsbericht 2020/2021

24 Auch wenn der Berufsstand vor allem zu Beginn der Pandemie von der Politik allein gelassen und auf sich allein gestellt gewesen sei und kaum Unterstützung erfahren habe, müsse er doch die zuletzt erreichten Maßnahmen der Bundesregierung und des Ministers anerkennen, die zu einer verbesserten Krisenreaktionsfähigkeit der vertragszahnärztlichen Versorgung beitragen würden. Auch würdigte Eßer in diesem Zusammenhang die Vereinbarung zwischen der KZBV und demGKV-Spitzenverband, mit der ab dem 1. Juli 2021 ein von den Krankenkassen finanzierter „Pandemiezuschlag“ zum Ausgleich für die besonderen Aufwände der Vertragszahnärzte durch die KZVen zur Auszahlung komme. Als großen versorgungspolitischen Erfolg der KZBV und Durchbruch bei der Bekämpfung der Volkskrankheit Parodontitis nannte Eßer die neue ParaodontitisRichtlinie: Trotz der widrigen Umstände während der Pandemie habe man dieses Leuchtturmprojekt der Zahnärzteschaft zielstrebig weiterverfolgt und über die Ziellinie gebracht. Mit der Richtlinie sei – im Schulterschluss mit der Wissenschaft – die systematische Parodontitisbehandlung im Rahmen der GKV grundsätzlich neu ausgerichtet worden. Als Kernaufgabe der KZBV bezeichnete es Eßer, die zunehmende Vergewerblichung der zahnärztlichen Versorgung und des deutschen Gesundheitssystems einzudämmen, die Freiberuflichkeit und die Niederlassung in eigener Praxis zu fördern und die Selbstverwaltung zu stärken: „Investoren seien keinesfalls die Heilsbringer des Gesundheitswesens und schon gar nicht der zahnärztlichen Versorgung. Bei den Zahnärzten gebe es keine Unterversorgung und die Versorgungslage werde durch Investoren auch nicht verbessert, sondern eher verschlechtert. iMVZ begründeten wegen des einseitigen Fokus der hinter ihnen stehenden versorgungsfremden Finanzinvestoren auf schnelle Gewinnmaximierung nach KZBV-Auffassung die Gefahr, dass medizinische Entscheidungen von versorgungsfremden Interessen überlagert würden. Dies könne zu Über- und Fehlversorgungen führen und berge Risiken für die Sicherstellung der Versorgung. Anders als bei den freiberuflichen Zahnärzten erfolge die Verteilung von iMVZ nicht proportional zu der Bevölkerung, so dass sich kaum iMVZ in ländlichen und strukturschwachen Regionen ansiedelten. Auch scheine die Versorgung von vulnerablen Bevölkerungsgruppen für Investoren nicht interessant zu sein. Die Abrechnungszahlen würden derlei Tendenzen deutlich aufzeigen, führte Eßer aus.“ Er betonte den Anspruch der KZBV, die Digitalisierung und den digitalen Transformationsprozess im Gesundheitswesen auch weiterhin aktiv mitzugestalten. Digitale Prozesse und Anwendungen seien längst gelebter Alltag in Zahnarztpraxen – in Administration und Abrechnung, bei Diagnostik und Therapie sowie bei der Befund- und Behandlungsdokumentauf ihrer Vertreterversammlung vom 30. Juni bis zum 1. Juli 2021 hat die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung unter anderem die „Agenda Mundgesundheit 2021– 2025“ verabschiedet. Mit der Agenda formuliert die Vertragszahnärzteschaft ihre zentralen Forderungen an die nächste Bundesregierung und positioniert sich zu bedeutenden Fragen der zahnärztlichen Versorgung und des Gesundheitssystems. Weitere Themen der Sitzung waren unter anderem der „Pandemiezuschlag“ für Zahnarztpraxen, die neue ParodontitisRichtlinie, der Kampf gegen Vergewerblichung der zahnärztlichen Versorgung sowie die Digitalisierung. Nach zwei digi- talen Formaten fand die Versammlung – pandemiebedingt unter strengen Hygieneauflagen – erstmals wieder in Präsenz, aber mit reduzierter Teilnehmerzahl statt. Gäste und Medien konnten die Veranstaltung über einen Livestream auf der Website der KZBV verfolgen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn war per Video für ein Grußwort live zugeschaltet und stand den Delegierten für eine anschließende Diskussion zur Verfügung. Er bedankte sich bei der Vertragszahnärzteschaft und den Praxisteams für ihr Engagement und ihren Einsatz zur Bewältigung der Corona-Pandemie. Die Zahnärztinnen und Zahnärzte hätten die Sicherstellung der zahnärztlichen Versorgung zu jedem Zeitpunkt gewährleistet und mit Hygienekonzepten eine Virusverbreitung in den Praxen verhindert. Der Vorsitzende des Vorstands der KZBV, Dr. Wolfgang Eßer, zog in seiner Rede eine Bilanz der zurückliegenden Pandemie-Monate und formulierte künftige Ziele. Die Vertragszahnärzteschaft habe in der Pandemie wie schon zuvor in der Flüchtlingskrise bewiesen, dass sich die Menschen in Deutschland genauso wie die Politik auf Zahnärztinnen und Zahnärzte auch in Krisenzeiten hundertprozentig verlassen könnten. Welchen größeren Beweis für die Bedeutung eines freiberuflichen Berufsstandes und einer leistungsfähigen Selbstverwaltung könne man erbringen als den, den die Zahnärzteschaft mit ihrem Krisenmanagement eindrucksvoll abgeliefert habe. VERGEWERBLICHUNG EINDÄMMEN, DIGITALISIERUNG FÖRDERN A DIE DELEGIERTEN DER VV KAMEN UNTER STRENGEN HYGIENEBEDINGUNGEN IN PRÄSENZ ZUSAMMEN

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