Geschäftsbericht 2020/2021

75 Im Berichtsjahr sind mit dem Notfalldatenmanagement (NFDM) und dem elektronischen Medikationsplan (eMP) die ersten Anwendungen der TI gestartet, die der Behandlung von Patientinnen und Patienten zugutekommen. Der Wirkbetrieb hat im dritten und vierten Quartal 2020 begonnen. Seitdem haben die Zahnarztpraxen grundsätzlich die Möglichkeit, die auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) der Versicherten gespeicherten Datensätze zu bearbeiten. Allerdings nutzten im Berichtszeitraum nur sehr wenige Patientinnen und Patienten die freiwilligen Anwendungen, sodass sowohl in Arzt- wie auch in den Zahnarztpraxen nur selten Notfalldatensätze oder elektronische Medikationspläne ausgelesen und aktualisiert werden. Zur Unterstützung der Praxen und zur Steigerung der Attraktivität der Anwendungen hat die KZBV Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband aufgenommen, um im Einheitlichen Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (BEMA) Vergütungen für die Aktualisierung eines Notfalldatensatzes und eines elektronischen Medikationsplans zu verankern. Seitens der gematik wurde im Berichtsjahr eine wissenschaftliche Evaluation (WEV) zu den Feldtests durchgeführt, in der die Praxistauglichkeit der beiden Anwendungen untersucht worden ist. Das Ergebnis zeigt, dass fast alle beteiligten Zahnärzte und Ärzte die Anwendungen auf der eGK grundsätzlich befürworten. Allerdings bemängeln sechs von zehn Befragten die praktische Umsetzung. Und bei einem Drittel der teilnehmenden Praxen traten bei den Updates der Praxisverwaltungssysteme (PVS) technische Probleme auf. Deshalb hat die KZBV gematik und Industrie aufgefordert, bei der Praktikabilität der Anwendungen nachzubessern. MEDIZINISCHE DATEN AUF DER eGK VOR DEM AUS Im Zuge des „Gesetzes zur digitalen Versorgung und Pflege“ (DVPMG), das die Bundesregierung im November 2020 vorgelegt hat, soll der Notfalldatensatz ab dem 1. Juli 2023 zu einer online geführten elektronischen Patientenkurzakte weiterentwickelt werden. Auf Wunsch und mit Einwilligung der Versicherten muss der Notfalldatensatz dann von der eGK gelöscht werden. Im Rahmen dieser MEHRWERTE DER ELEKTRONISCHEN GESUNDHEITSKARTE Patientenkurzakte plant die gematik zum Berichtszeitpunkt ein Pilotprojekt in der Grenzregion Kleve-Nijmegen zur Schlaganfallversorgung der dort lebenden Patientinnen und Patienten. Das Projekt zahlt auf den Willen des Gesetzgebers ein, mit der Patientenkurzakte den grenzüberschreitenden Austausch von Gesundheitsdaten zu gewährleisten. Das DVPMG sieht zudem vor, dass auch der elektronische Medikationsplan ab dem 1. Juli 2023 in eine eigene Anwendung in der TI überführt wird, auf die dann ebenfalls ausschließlich digital zugegriffen werden kann. Die eGK wird so nach dem Willen des Gesetzgebers zu einem reinen Versicherungsnachweis zurückgebaut. Dies führt dazu, dass der Notfalldatensatz und der elektronische Medikationsplan offline nicht mehr nutzbar sind. Die KZBV hat den Gesetzgeber deshalb aufgefordert, die eGK als Speicherort für medizinische Daten beizubehalten. In einem ersten Schritt konnte erreicht werden, dass der Notfalldatensatz und der elektronische Medikationsplan auf Wunsch der Versicherten mindestens bis zum 1. Juli 2024 und anschließend so lange auf der eGK verbleibt, bis diese ihre Gültigkeit verliert. ■

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