Jahrbuch 2021

Behinderungen und eingeschränkter Alltagskompetenz ausgerichtet, der auch durch die Ergebnisse der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie, in der ein besonderer Akzent auf die Untersuchung dieser Personengruppe gesetzt wurde, bestätigt wird. Ein weiteres Ergebnis der Studie liegt in der Beobachtung, dass die altersgruppenspezifischen oralen Morbiditätspro- file im Lebensbogen eines Menschen sich sukzessive nach hinten verschieben. Dieses Phänomen wird als Morbiditätskompression bezeichnet. Dieser Trend kann auf der einen Seite auf die Erfolge in der Primärprävention, also der Verhütung von oralen Erkrankungen zurückgeführt werden. Ein in der Zahnmedizin besonders eindrucksvolles Beispiel der bevölkerungsweiten Ergebnisse kann am Kariesrückgang im Zusammenhang mit der Einführung der Individual- und Gruppenprophylaxe im Jahr 1988 illustriert werden. Seit diesem Zeitpunkt konnte die Kariesprävalenz bei den so betreuten Kindern von 88 % (13/14-Jährige in Westdeutschland im Jahr 1989) auf aufsuchen können. Mit dem Gesetz zur Neuausrichtung der Pflegeversicherung wurde diese Vergütung aus Gründen der Gleichbehandlung auf die aufsuchende Betreuung von immobilen Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz ausgeweitet. Mit dem Pflegeneuausrichtungsgesetz (PNG) wurden im Rahmen des § 87 Abs. 2j SGB V ab dem 01.04.2014 neue Leistungen (Bema-Positionen 172a-d und 154/155) für das Aufsuchen von Versicherten in Pflegeheimen, die pflegebedürftig sind, eine Behinderung oder eine eingeschränkte Alltagskompetenz aufweisen, eingeführt. Voraussetzung für die Abrechenbarkeit dieser Leistungen ist der Abschluss eines Kooperationsvertrages nach § 119 b SGB V zwischen einem Vertragszahnarzt und einer Pflege- einrichtung. Die Zahl der abgeschlossenen Kooperationsverträge nach § 119 b SGB V lag am 31.12.2020 bei 5.716 und damit trotz der Einschränkungen in den Alten- und Pflegeheimen aufgrund der Corona-Situation um rd. gut 300 höher als am Ende des Jahres 2019. Damit hat seit der Einführung eine sehr dynamische Entwicklung bei der Zahl der neu abgeschlossenen Kooperationsverträge nach § 119 b SGB V stattgefunden, die sich auch im Jahr 2021 weiter fortsetzen dürfte. Dies zeigt, dass die Möglichkeit, Kooperationen mit Pflegeeinrichtungen zu schließen, von den Zahnärzten in verstärktemMaße genutzt wird. Gemäß der aktuellsten Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2019 lag die Zahl der Pflegeheime in Deutschland bei rd. 15.400. Bei einer Zahl von 5.716 Kooperationsverträgen ergibt sich ein Abdeckungsgrad von rd. 37 %, d. h., durchschnittlich besteht in mehr als jedem dritten Pflegeheim bereits eine Kooperation nach § 119b SGB V, wenn davon ausgegangen wird, dass je Pflegeheim nur eine Kooperationsver- einbarung geschlossen wird. Morbiditätskompression und zukünftige Behandlungsbedarfe Die Leistungen in der aufsuchenden Betreuung sind auf den speziellen Versorgungs- und Präventionsbedarf von Pflegebedürftigen und Menschen mit 164 Abb. Grafik 6I Seite 1 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85 90 95 100 1996 2019 Alter Leistungsausgaben je Versicherten in € Quelle: Bundesversicherungsamt, eigene Berechnungen 6I GKV-Ausgaben für Zahnbehandlung je Versicherten nach dem Alter 1996 und 2019 – Deutschland KZBV Jahrbuch 2021

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